Bericht Mitgliederversammlung und Exkursion Rom 2024

Am Freitag den 4. Oktober 2024 um 16:30 Uhr eröffnete der Vorsitzende Dr. Eberhard J. Nikitsch im Deutschen Historischen Institut in Rom die jährliche – und auch in diesem Jahr erfreulicherweise wieder sehr gut besuchte – Mitgliederversammlung des Freundeskreises. Wie schon in den letzten beiden Jahren musste der vom Freundeskreis im Anschluss an die Mitgliederversammlung organisierte, wie immer öffentlich ausgerichtete Abendvortrag aus bautechnischen Gründen in den kleinen Vortragsraum der Musikwissenschaftlichen Abteilung ausweichen. Für diejenigen Gäste, die dort keinen Platz mehr gefunden hatten, konnte der Vortrag per „livestream“ in Raum 104 des DHI (und weltweit) verfolgt werden.

Gegen 18:00 Uhr begrüßten Prof. Dr. Alexander Koller (in Vertretung der neuen Direktorin Frau Prof. Dr. Petra Terhoeven) und Herr Nikitsch als Vorsitzender des Freundeskreises die weit über siebzig erschienenen Zuhörenden darunter die studentischen Teilnehmenden des diesjährigen Romkurses zum Abendvortrag, der von Prof. Dr. Klaus Hallof (Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften) über das auf den ersten Blick etwas mysteriöse Thema „Humboldt in Rom und ein Kranz in Tegel“ gehalten wurde. Von der Wiesbadener Kabarettistin Corinna Freudig (https://www.corinna-freudig.de) mit einer geistreich gereimten Hommage an das ehemalige Humboldt-Schloß Tegel und seine Bewohner eingeleitet, entzündete der Referent um die Person Wilhelm von Humboldts (17671835) und seiner Familie ein wahres Feuerwerk an biographischen Begebenheiten, zeithistorischen Bezügen und Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts, das die Zuhörer in seinen Bann zog und keine Sekunde langweilte. Den Spuren Humboldts und seiner Familie in Berlin und Rom in den Jahren 18021808 folgend, entfaltete er u. a. am Beispiel des mit einer griechischen Inschrift versehenen Marmorkranzes, den Humboldt auf seinem Berliner Schreibtisch liegen hatte, die Verdienste Humboldts um die großen Editionsunternehmen der damaligen Preußischen Akademie der Wissenschaften, auch um das Editionsunternehmen „Inscriptiones Graecae, als deren wissenschaftlicher Leiter Herr Hallof jahrzehntelang fungierte. Der Vortrag löste einen ausgesprochen langen und intensiven Beifall aus. Ein reichhaltiges Buffet im Foyer des Instituts bildete den angemessenen Abschluss dieses noch lange nachwirkenden Abends.

Am nächsten Tag traf sich der Freundeskreis samt einigen Gästen bei zunächst ungewohnt regnerischem Wetter (und zudem etwas behindert durch eine unangekündigte Demonstration) bei dennoch bester Stimmung in Sichtweite der Cestius-Pyramide zur Führung durch den „Cimitero Acattolico“, den römischen Friedhof für die Nicht-Katholiken. Die Verbindung zum Vortrag vom Vortag ergab sich dadurch, dass dieser außergewöhnliche Friedhof letztlich dem Protestanten und damaligen preußischen Gesandten Wilhelm von Humboldt zu verdanken ist, dem es Anfang des 19. Jahrhunderts durch eine päpstliche Erlaubnis erstmals gestattet wurde, seine beiden in Rom verstorbenen Söhne dort christlich zu begraben. Diese und viele andere Aspekte dieser „wundervollen Ruheinsel“ vermittelte unsere Führerin und Mitglied Dr. Andrea Hindrichs (https://www.rom-entdecken.com/de/ihre-stadtfuehrerin) in gewohnter Souveränität und mit kenntnisreicher Liebe zum archäologischen, kunsthistorischen und historischen Detail. Zudem bietet das quirlige Stadtviertel Testaccio (der antike Scherbenhügel Roms) nicht nur den Acattolico, sondern auch die ganz realen antiken Scherbenreste der Amphoren, sozialen Wohnungsbau des 19. Jahrhunderts (auf italienische Weise) sowie moderne Kunst in Form von Street-Art. Dass neben allem anderen auch das Kulinarische nicht zu kurz kommt, davon konnten sich die Teilnehmenden beim obligatorischen aperitivo überzeugen, der als Grundlage zu einem stimmungsvollen Abendessen in einer kleinen Osteria diente.

Mitgliederversammlung und Exkursion 2024

Liebe Mitgliederinnen und Mitglieder, sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit lade ich Sie – auch im Namen des Vorstandes – fristgerecht und sehr herzlich nach Rom zur diesjährigen Mitgliederversammlung unseres Vereins ein.

Freitag, 4. Oktober 2024

Die Versammlung findet in diesem Jahr am Freitag den 4. Oktober 2024 um 16:30 Uhr wieder an gewohnter Stelle statt, im Deutschen Historischen Institut (DHI) in Rom (Via Aurelia Antica, 391, Raum 104).

In Zusammenarbeit mit dem DHI bietet der Freundeskreis im Anschluss an die
Mitgliederversammlung traditionell einen öffentlichen Abendvortrag an, zu dem Sie herzlich eingeladen sind. Sollten Sie an dem Vortrag in Präsenz teilnehmen können bzw. ihn im „Livestream“ verfolgen wollen, möchte ich Sie höflich bitten, sich in beiden Fällen hier anzumelden:
https://event.dhi-roma.it/participant/create/f4ba11d6-7678-48ad-9a3c-ef3efa4a4fed.

18:00 Uhr: Öffentlicher Abendvortrag „Humboldt in Rom und ein Kranz in Tegel“ von
Prof. Dr. Klaus Hallof (Berlin)
Die Jahre Wilhelm von Humboldts (1767–1835) in Rom 1802 bis 1808 waren für ihn persönlich besonders wichtig und besonders tragisch: tragisch durch den Tod seiner Söhne Wilhelm (1803) und Gustav (1807), über den er nie hinwegkam; und wichtig durch die Rezeption einer „als edler und erhabener angesehenen Vergangenheit“, der Antike, die er später für sich, für Preußen, für die Wissenschaft und die Akademien in nachhaltigster Weise fruchtbar zu machen verstand. Den Spuren dieser römischen Jahre soll nachgegangen werden in dem Schloss Humboldts in Tegel bei Berlin, von dem der alte Fontane sagt, dass unter den märkischen Schlössern nur dieses jenen Geist beherberge, der, „gleich weit entfernt von Orthodoxie wie von Frivolität, sich inmitten der klassischen Antike langsam, aber sicher auszubilden pflegt, und lächelnd über die Kämpfe und Befehdungen beider Extreme, das Diesseits genießt und auf das rätselvolle Jenseits hofft“. Und wo auf Humboldts Schreibtisch ein Marmorkranz mit einer griechischen Inschrift Veranlassung gibt, darüber nachzudenken, was sein Romaufenthalt und die Inschrifteneditionen der deutschen Akademien miteinander zu tun haben.

Samstag 5. Oktober 2024
Exkursion: Das Stadtviertel Testaccio mit dem Cimitero Acattolico (mit den Grabdenkmälern der beiden Humboldt-Söhne). Treffpunkt: um 14:30 Uhr in oder vor der Bar al Buongustaio (https://www.facebook.com/albuongustaioroma) in Sichtweite der Cestius-Pyramide.
Testaccio – der antike Müllberg Roms, der sich inzwischen in ein aufregendes Stadtviertel gewandelt hat: Gut zweitausend Jahre Geschichte erwarten die Besucher – von berühmten Verstorbenen auf dem Cimitero Acattolico, dem römischen Friedhof für alle Nicht-Katholiken, auf dem nicht nur der Sohn Goethes, Antonio Gramsci, die beiden romantischen Dichter Keats und Shelley und viele andere spannende Persönlichkeiten, von denen wir einige „besuchen“ werden, begraben sind, sondern auf dem auch zwei der Humboldt-Söhne ihre letzte Ruhe gefunden haben. Der Friedhof ist eine wundervolle Ruheinsel mitten in dem noch zu entdeckenden quirligen Stadtteil, der über die ganz realen antiken Scherbenreste der Amphoren hinaus auch moderne Kunst mit Street-Art und viele Kunst-Events bietet. Der Rundgang bietet unerwartete Einblicke in einige durchaus gegensätzliche Elemente dieses spannenden, jungen und interessanten Viertel Roms, wo auch das Kulinarische nicht zu kurz kommt.
Die Exkursion wird freundlicherweise von unserem in Rom als Historikerin und Archäologin lebenden und arbeitenden Mitglied Frau Dr. Andrea Hindrichs (https://www.romentdecken.com/de/ihre-stadtfuehrerin) organisiert und geleitet.

Für Rückfragen stehe ich Ihnen wie immer gerne zur Verfügung. Ich wünsche Ihnen
eine gute Anreise und freue mich auf unser Wiedersehen in Rom.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Dr. Eberhard Nikitsch